Wie der Entschluß nach Portugal zu ziehen mein Leben änderte. How the decision to move to Portugal changed my life. Como a decisão de avançar para Portugal mudou a minha vida.
Sonntag, 14. Juni 2015
Samstag, 30. Mai 2015
Mai - vorbei
Die letzten Tage im Mai - ich bin schon 4 Wochen hier und habe seit drei Wochen nichts mehr geschrieben. Ich war mit leben in Echtzeit beschäftigt und zwar 24/7 und wisst ihr wie sich das anfühlt - einfach total richtig!Ich hatte ganz vergessen, das es möglich ist in drei Wochen soviele Eindrücke, Erlebnisse und neue Menschen zu packen. Und das ohne eine Sekunde Fernsehen….
Heute morgen stand ich in der Küche an der Spüle und habe raus geschaut (siehe Foto), wenn mir vor 4 Wochen jemand gesagt hätte das ich diesen Anblick einmal schätzen würde - weil er so normal und nicht wirklich schön ist - hätte ich gesagt: Du spinnst!
Aber heute morgen habe ich bemerkt, dass ich die Strassenlaterne mit dem wackeligen Beleuchtungsköper, das braune abblätternde Holzhaus mit dem grauen Eternitdach, den weißen Bungalow mit den Löchern in der Wand und die sandigen, verlotternden Vorgärten - einfach liebe!
Da wusste ich, ich bin angekommen - bei mir und in der Gaza Street. So nennen wir „unsere“ Strasse, weil im Anschluss an die eben beschriebenen Häuschen, kommt noch der große weisse, verrammelte Klotz mit dem rostigen Dachgeländer und dem zugemauerten Graffiti-Anbau. Der Rest ist auch nicht viel besser und das Haus von Vitor (meinem Vermieter) glänzt durch Unscheinbarkeit. Alles in allem sicher die unattraktivste Strasse der Insel und deshalb liebe ich sie so. Weil ich bei all den tollen Ausblicken, Landschaften, Naturphänomenen, Sonnenauf- und Untergängen, Sternenhimmel, Lichtstimmungen, idyllischen Fotomotiven und und und ich etwas brauche, das einfach NORMAL ist. Bisschen hässlich, aber liebenswert und vor allem - vertraut.
Und was wirklich bemerkenswert ist, Snoop geht es genau so - also was das Gefühl des Vertrautseins betrifft. Mittlerweile weiss er ziemlich sicher ob ich rechts Richtung Meer, Assosaciao oder Mülltonne gehe oder ob es links herum zur Fähre, Lagune oder zum Pier geht. Außerdem weiß er welche Katze sicher Reißaus nimmt oder sich gemächlich auf die Mauer setzt und welche sich ihm todesmutig entgegenstellt, zu doppelter Größe aufgeplustert noch immer winzig klein ist, sich aber eher auf ihn stürzen als weichen würde. Also weicht er……..gut gemacht, kleine Katze!
Überhaupt Snoop, der genießt das Leben mit allen Sinnen. Sonne und Sand sind schonmal klasse, da kann man sich herrlich drin aalen. Wasser war ja noch nie seins, aber wenn es richtig warm ist hat es doch seine Vorteile. Also bis zum Bauch kann der Herr Snoop da jetzt schonmal rein gehen. Auf der Lagunenseite, wo es ruhig ist, versteht sich. Ansonsten sehr beliebt sich zwischen die Steine zu quetschen, dass ich überhaupt nicht weiß wo er ist. Oder auch ein tiefes tiefes Loch buddeln, am besten so das aller Sand in meine Tasche oder wahlweise auf mein Handtuch fliegt, und sich da hinein rollen. Und er liebt…. Muscheln. Am liebsten die winzig kleinen Vongole, die so mühsam zu suchen sind, pro Handvoll eine Stunde wühlen im Sand, die liebt der Herr. Fein ausgepuhlt und Müschelchen für Müschelchen dargereicht bekommen.
Upps, vom Thema abgeschweift - ja, was ist passiert im Mai.
Ich habe viele verschiedene, interessante Menschen unterschiedlichsten Alters und Herkunft kennen gelernt. Aus Portugal, Spanien, Schweiz, Pakistan, Indien, Großbritannien, Deutschland und Tschechoslowakei. Alter von 20 bis 70 so grob geschätzt. Alle liebenswert und manche werden mich sicher länger begleiten und Freunde werden, während die anderen mir in guter Erinnerung bleiben werden.
Ich habe eine wenig von Portugal gesehen, jedenfalls den Teil, der an den Strassen Richtung Coimbra liegt und es hat mir sehr, sehr gut gefallen u.a. auch weil es so vielfältig ist. Im Norden hohe Berge und Eukalyptuswälder, davor mildes Hügelland mit Obst und Weinanbau, direkt hinter der Algarve das Alentejo - sehr einsam und endlose Weite mit Korkeichen und Olivenbäumen. Die Städte dort , Batalha hat mit ausnehmend gut gefallen, in Porto de Mos war das Kastell eindrucksvoll, aber insgesamt der Ort uninteressant. Setubal würde sich sicher noch einmal lohnen genauer entdeckt zu werden. Von der Algarve selbst habe ich immer noch nicht viel gesehen, immerhin Fuseta ein eigentlich nettes, aber etwas seelenlos wirkendes Örtchen am Anfang der Ria Formosa. Quarteira, der nächstgelegene Hochhausbunker-am-Strand-Ort aus Richtung Flughafen Faro. Den Strand von Faro, der eigentlich auch wie meine Insel ist, aber durch eine einspurige Brücke mit dem Festland verbunden und dadurch direkt jeden Reizes beraubt. Einfach nur ein langer Strand mit entsprechender Infrastruktur und zu wenigen Parkplätzen.
Zum Schluß Olhao - mein Bezugsort auf dem Kontinent (wie es ein Bekannter ausdrückt) - ein recht gut funktionierendes Städtchen mit Fischerei, Hafen, Fischmarkthalle, Gemüsemarkthalle, sehr hübsche Altstadt mit viel Flair, schöner Park am Hafen und Seepromenade. Eine nette Avenida mit Geschäften und das übliche Umfeld aus Neubauten, Supermärkten, Lidl und Aldi, ShoppingCenter etc. - allerdings in überschaubarer Ausdehnung.
Seit gestern weiß ich das in Olhao seit 16 Jahren ein englischer Gentleman und Maler lebt, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat die Altstadt zu retten. Er hat sein gesamtes Vermögen geopfert um soviel Häuser wie möglich zu kaufen und wieder herzustellen. Er möchte damit anderen Künstlern und Kunstliebhabern ein Zentrum des Austauschs bieten und das Flair dieser bezaubernden, kleinen Stadt retten.
Sein Name ist Piers de Lazlo und er hat die „Crumbling Foundation“gegründet um diese Vision zu unterstützen. Ich möchte ihn gerne kennenlernen.
Dienstag, 19. Mai 2015
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