Der erste Eindruck der Stille bei meiner Ankunft am Pier hat sich relativiert - zum Guten.
Es gibt durchaus Leben und Nachbarn in Farol und ich bin froh darüber.
Zwei Restaurants, ein gehobenes und eins von der Associacao do Farol (Sport- und Bürgerverein), die auch gleichzeitig einen Kiosk, eine Bar, den Minimarkt und eben den Sportplatz betreiben.
Drei Bars direkt am Fähranleger und zwei Strandbars, wobei die Zweite allerdings nur Juni-September geöffnet ist.
Für die maximal ca. 100 ständigen Bewohner viel zu viel. Allerdings sind die Inseln/ Sandbänke auch der einzige Hausstrand für die Bewohner von Faro/Olhao und Umgebung - daher gibt es mit den zur Zeit viermal täglich fahrenden Fähren Strandbesucher und Gäste. Ich nehme mal an jetzt am langen schönen Wochenende mehr wie unter der Woche und die offizielle Saison startet auch erst am 1. Juni - dann auch mit etwas mehr Fähren.
Der Minimarkt verkauft das absolut Notwendigste wie Wasser und Bier bzw. Dinge die wohl klassisch vergessen werden, aber wirklich einkaufen kann ich dort nicht. Vor allem gibt es KEIN Hundefutter. Das werde ich mir in Olhao besorgen müssen. Leider sind die Fahrzeiten ab Farol nach Olhao extrem blöd. 07:30 / 12:45 / 16:00 und zurück um 11:00 / 15:00 / 18:30. Also habe ich entweder nur 1 1/2 Stunden oder eben viel zu lange, wenn ich nur einkaufen möchte. Na ja, ausprobieren….der erste Eindruck von Olhao war doch sehr nett! Montag werde ich mal hinfahren.
Merkt ihr, das ich um den heißen Brei herum schreibe? Als wir (Vitor, mein Vermieter und ich) um ca. 21 Uhr endlich mit Sack und Pack und Snoop am Haus angekommen waren, gab es nämlich eine Überraschung. Vitor zeigte mir das Haus - an dem er seit November arbeitet - und eröffnete mir dann, dass das Studio, das er für mich reserviert hatte jetzt über das lange Wochenende vermietet sei. Da er über die Vermietung Geld zur weiteren Reparatur und Sanierung generieren möchte und ich ja einen Special-Preis für längeren Aufenthalt plus Mithilfe ausgehandelt hatte, war er jetzt in der Zwickmühle. Es gibt zur Zeit drei Wohnmöglichkeiten 1 große Wohnung mit 3 Zimmern, das kleine bereits fertige Studio und ein Zimmer ohne Küche mit Bad.
Jetzt wohne ich also, wenn er denn hier ist mit Vitor in einer Wohngemeinschaft - lustig! Allerdings ist auch nicht immer hier, sondern arbeitet hauptsächlich in Lissabon. Und ich werde den Laden hier jetzt ein bissel betreuen und helfen - so eine Art Aufenthalt gegen Mithilfe. Ist mir mehr als recht, denn ich muss mir meine Finanzen durchaus einteilen. Sonst heißt es Abschied nehmen, weil Geld ausgegangen. Das möchte ich vermeiden. Leider hat sich mein potentieller Arbeitgeber, den ich in D schon gefunden hatte und der durchaus sehr interessiert war, bisher nicht mehr gemeldet. Aber kann ja noch werden….
Der erste Tag FREITAG beginnt vielversprechend! Mit Snoop aus der Tür und nach ca. 50m am Atlantik - Strand ohne Ende! Ist das schön!
Snoop kann sein Glück auch nicht fassen und springt rechts und links und hin und her und ist schier aus dem Häuschen. Das er Sand liebt wußte ich schon aus Köln (Rheinstrand). Nur das Wasser schmeckt ihm eindeutig nicht und auch herrscht ein totaler Stöckchen-Mangel. Da muss ich mir noch was einfallen lassen ;-)
Der Rest des Tages vergeht im Flug mit einziehen, besprechen, schreiben und am Nachmittag bekomme ich Besuch von meinen lieben Freunden Dora und Matthias, die mich gestern schon so herzlich empfangen und unterstützt haben. Wir machen einen entspannten Strandspaziergang und tauschen erste Erkenntnisse aus. Zwischendurch klingelt mein Telefon denn auch Tochter und Freunde in Köln wollen wissen, ob alles ok ist. By the way - Handy und Internet funktionieren einwandfrei - selbst hier im „Paradies“ und deutlich besser, wie in manchen Gegenden Deutschlands.
Am Abend fahren alle Tagestouristen, meine Freunde, mein Vermieter mehr oder weniger zusammen wieder auf’s Festland und ich bin zum ersten Mal alleine.
Weit gefehlt - kaum zurück am Haus begegne ich dem jungen Paar mit Baby Benjamin und der Großmutter, die das Studio über das WE gemietet haben. Wir hatten uns begrüßt, aber dann ging jeder seiner Wege. Jetzt wird, wie übrigens andauernd auf der Insel, Snoop gehörig bewundert und gestreichelt und ich werde zum Essen eingeladen. Es wird ein lustiger Abend - alle sprechen recht gut englisch doch im Lauf des Abends gehen wir auf portugiesisch über. Das heißt, ich verstehe besonders Maria (die Schwiegermutter/Mutter) sehr gut und versuche mein italienisch-spanisch recht portugiesisch auszusprechen. Geht! Später wird es empfindlich kalt und wir gehen noch auf einen Kaffee ins Restaurant um die Ecke. Dort kommen weitere Bekannte des jungen Paares dazu, ein Geburtstag wird gefeiert und als ich gegen Mitternacht „nach Hause“ gehe, geht es dort noch fröhlich weiter.
Heute, SAMSTAG, wollte ich zum Markt nach Olhao - mit der Fähre versteht sich. 7:40 Uhr werde ich wach und habe die erste Fahrt verpasst. Ok, 12:45 geht ja die Nächste. Die habe ich dann auch verpasst, weil es mit Snoop Spaziergang - heute auf dem Pier - Kaffee trinken, aufräumen, Fenster putzen und diversen Nachbarn versichern das Vitor auf dem Festland ist, ganz plötzlich 12:35 Uhr sind und ich überhaupt noch nicht landfein. Das wird also heute nichts mehr! Gehe ich also in den Minimarkt und hole mir 2 Tomaten und drei Orangen. Verhungern werde ich sicher nicht ;-)
Ein Kaffee mit den netten Gästen, den Blog schreiben - schon sind es 17 Uhr und ich geh’ jetzt mal raus in die Sonne! Xau!
Die Sensationen des SONNTAGS werden Insel-überschaubar, Kaffe trinken und gucken was es Neues zu Hause gibt - nichts;
Dann will ich duschen, aber das Gas ist leer. Muss ich Vitor anrufen, der erklärt mir wo die Gasflasche steht. Das anschließen der neuen Flasche ist eigentlich einfach, aber für den letzten Klick braucht es doch Kraft. Der nette ältere Herr von nebenan sieht mein Mühen und hilft schnell und freundlich. Jetzt noch 20 Minuten mit dem Boiler kämpfen, dann kann ich endlich duschen.
Da heute das Wetter bedeckt ist, starte ich den Versuch mit dem Fahrrad in den 4 km entfernten Nachbarort Culatra zu radeln.
Aber alle Versuche in diese Richtung scheitern an dem Umstand, das es nur tiefe Sandpisten gibt. Da versinke ich direkt - also Culatra by bike geht nicht. Am Nachmittag ein letzter Plausch mit Maria, wir tauschen Visitenkarten mit der Einladung mich bei ihr in Lissabon zu melden.
Dann gibt es noch einen großen Teller Grillfleisch für mich und plötzlich ist die Insel leer. Wochenende vorbei, alle weg!
Im Fernsehen läuft ein guter amerikanischer Film im Original, mit portug. Untertiteln. Prima!
Und dann meldet sich per Telefon noch eine nette Leserin meines Blogs, die allerdings morgen, nach 12 Wochen an der Algarve, wieder nach D fliegt.
Am MONTAG ist deutsches Wetter. Grau, kühl, ungemütlich - tiefe Wolken, aber noch kein Regen. Ich muss dringend auf’s Festland endlich mal einkaufen und schaffe gerade so die frühe Fähre um 7:30 Uhr. Ich saß nur im falschen Boot ;-)
Gottseidank waren die Fährleute aufmerksam und klären mich auf, dass das allererste Boot die Fähre für die Kinder zur Schule in Faro sei.
5 Minuten später kommt das richtige Boot, das mich dann auch in 40 Minuten nach Olhao bringt. Ein nettes Eiskaffe an der Markthalle lädt zum Frühstück mit Milchkaffee und Croissant ein. Sehr lecker und für 2,30 € auch nicht teuer.
Jetzt will ich endlich in die Markthalle - muss Snoop nur noch ins Auto bringen, aber der kann auf einmal nicht mehr laufen und hat offenbar ein Problem mit seiner rechten Vorderpfote. 15kg Hund zum ca. 200m entfernten Auto schleppen - nicht lustig! Auch eine genaue Examination bringt kein Ergebnis, was jetzt mit der Pfote los ist. Also geh’ ich erstmal einkaufen und Snoop kann es sich im Auto gemütlich machen.
Die Markthalle sind eigentlich zwei. Die erste ein Obst-Gemüse-Käse Paradies. In einer Ecke ist sogar ein kleiner Metzger. Die zweite ist ausschließlich für Fisch und Muscheln und diese so frisch, dass es fast nicht riecht. Aber Fisch kann ich leider nicht kaufen, da ich ja noch ein paar Stündchen mit dem Smart unterwegs sein werde.
Zurück am Auto, stelle ich fest, dass ich mit meiner ersten Diagnose von Snoops Pfote „vertreten“ falsch lag. Er hat sie obendrauf ganz nass geleckt und jetzt sehe ich auch, dass da etwas drinsteckt. Ich ziehe einen fast 3cm langen Holzsplitter raus. Autsch! Toll, das alle Desinfektionsmittel auf der Insel sind. Also suche und finde ich, dank Internet, eine moderne Tierklinik, wo ich ein Desinfektionsspray kaufen kann. Leider sehr teuer! Egal - das muss jetzt sein!
Da es schon fast Mittag ist und ich um 14 Uhr in Val de Lobo mit Marita verabredet bin, mache ich mich auf den Weg. Marita habe ich über Facebook kennen gelernt und da sie schon länger hier vor Ort unterwegs ist, bringe ich ihr ein paar Sachen aus Deutschland mit, die hier teurer sind. Die Gruppen „Deutsche in Portugal“, Wir sind ausgewandert nach… und Portugalforum funktionieren wirklich gut und werden vernünftig moderiert. Das macht sich positiv bemerkbar. Ich danke allen herzlich für ihr interessiertes und nettes Feedback.
Das Wetter ist zu schlecht um in Faro Station zu machen. Aber ein kurzer Stopp bei Lidl muss noch sein. Ich brauche Hundefutter und Wasser. Und jetzt geht es nach Val de Lobo.
Val de Lobo ist eine futuristische Gegend - ein Superreichen-Golf-Tennisplatz-Villen-Ghetto. Unglaublich! Sieht nach Kalifornien aus. Am dortigenSupermarkt treffe ich auf Marita mit ihrem Wohnmobil. Mittlerweile hat es angefangen zu regnen und auf mich zu kommt eine wahnsinnig quirlige, sehr symphatische und sonnige Dame. Wir verstehen uns von der ersten Sekunde an blendend und sitzen in ihrem Wohnmobil und quatschen, als ob wir uns schon immer kennen würden. Herrlich!
Um 16 Uhr habe ich einen Termin in einer Super-Luxus-Strandbar mit dem Manager. Er hatte mich angeschrieben, ob ich die Webseite gestalten und das Net-Marketing machen könne. Nettes Treffen, aber er hat keine Zugangsdaten und wir kommen überein, dass er mir die in den nächsten Tagen zukommen lässt. Dann könnte ich loslegen!
Nach dem Termin ist auch Snoop in Marita verliebt und wir beschließen spontan gemeinsam nach Olhao zu fahren. Dort will sie einen Stellplatz für das Wohnmobil suchen und am nächsten Tag auf die Insel kommen; jedenfalls wenn das Wetter besser wird.
18:30 Uhr mit großer Tasche und Rucksack, alles voller Einkäufe, geht es zurück nach Farol.
DIENSTAG scheint die Sonne, der Himmel ist wieder blau. Ich putze die Appartments, mache die Wäsche und werde kurz vor Maritas Ankunft um 11.30 Uhr fertig. Es ist schon etwas besonderes seine Gäste am Fähranleger abzuholen. Bei Sonne ist die Insel einfach unwiderstehlich!
Marita ist entsprechend beeindruckt und wir haben richtig Spass - wie die Teenager! Es wird gequasselt und gelacht und Blödsinn gemacht und die Zeit verfliegt. Abends kündigt mein Vermieter noch einen weiteren Gast an. Juan, ein in Estoril lebender Spanier.
Wir treffen ihn abends im Restaurant und er setzt sich zu uns und erzählt - auf spanisch! gerade hatte ich mich etwas an die portugiesische Aussprache gewöhnt, da muss ich schon wieder wechseln und natürlich auch hin und her übersetzen. Denn Marita spricht Deutsch und etwas portugues. Egal, es wird ein lustiger Abend und der rote Vollmond bringt uns drei mit seinem hellen Schein gut nach Hause. Der Fisch im Restaurant war grandios und die Kartöffelchen (gekocht) eine echte Geschmackssensation, fällt mir da noch ein…..
MITTWOCH ist ein strahlender, funkelnder Tag! Tatsächlich ist jeden Tag en anderes Licht - jedenfalls bisher.
Ich gehe zu unserem Mini-Mercado in der Hoffnung frisches Brot zu bekommen und tatsächlich, ein bisschen liegt in der Vitrine.
Aber leider nicht für mich. Als ich zahlen möchte erklärt mir die freundliche Verkäuferin, das es frisches Brot nur auf Vorbestellung gibt. Mmmh, was nun? Kein Problem - sie kommt mit einem tiefgefrorenen kleinen Brot und erklärt das müsse nur 15 Minuten in den Backofen, dann sei es wie frisch. OK, dann so….
Als ich Brot und Milch zahlen möchte stellt sich heraus, dass ich nicht genug Kleingeld habe und sie meinen Schein nicht wechseln können. Egal, soll ich später irgendwann zahlen heisst es. Finde ich sehr nett! Jetzt ist mein Brot verschwunden - das gibt es doch nicht! Wo ist jetzt das Brot? Auf meine Nachfrage erklärt man mir, das sei jetzt im Backofen. Damit hatte ich natürlich gar nicht gerechnet, sondern gedacht, ich solle es zu Hause aufbacken. Freundlich und unkompliziert….so begegnen mir die Menschen hier immer wieder.
Mittags als ich meine „Schulden“ begleichen möchte, hatten sie völlig vergessen, dass ich überhaupt welche habe…..;-)
Nach dem Frühstück geht es an den Strand, wir machen einen langen Spaziergang. Mittags machen wir einen leckeren Trempo-Salat.
Am Nachmittag ist Siesta angesagt und abends wieder in „unser“ Restaurant. Diesmal nehme ich eine gemischte Fleischplatte für 8 Euro.
Ebenfalls sehr lecker und eigentlich genug für zwei. Snoop freut sich…….
DONNERSTAG treffen wir auf unserem Weg an den Strand auf Juan, der uns mit schmerzverzerrtem Gesicht entgegen stolpert und über wahnsinnige Schmerzen klagt. Nierenkoliken! Marita geht mit ihm zum Haus und leistet erste Hilfe mit Wärmflasche, während ich zum Mini-Mercado renne und versuche dort Schmerzmittel zu kaufen. Leider sind im Moment keine vorrätig, aber ich erfahre, dass wir unter 112 die Ambulanz rufen können, die dann mit dem Boot kommt.
Das machen wir dann auch und zwanzig Minuten später wird Juan abgeholt und ins nächste Krankenhaus nach Olhao gebracht.
SO, jetzt zurück zum Strand und zur Strandbar
MirAmais
Marita in die Sonne und ich an den Computer, damit ihr endlich mal wieder was zu lesen bekommt.