Freitag, 23. März 2018

Letzte Etappe nach Olhao – Algarve (Südportugal)


Das Ende zuerst: Ich bin gut angekommen! Ich wurde herzlich empfangen!
Das Wetter ist ein Traum, sonnig – nicht heiß, eine laue Brise.....

Der Start in Salamanca war ausgesprochen kühl. 
Ohne Heizung in der Wohnung, bei 13° Außentemperatur, ist man immer leicht durchgefroren.

Nach gestern dachte ich, ich hätte das spektakulärste an Weitblick schon genossen – doch weit gefehlt. Die Strecke von Salamanca bis Caceres ist atemberaubend! Allerdings war es auch außergewöhnlich klar – jetzt verstehe ich die Redewendung - soweit das Auge reicht!
Unbeschreiblich und definitiv nicht zu fotografieren. Überhaupt - die Landschaft der Extremadura - so stelle ich mir wirklich Gottes Garten Eden vor.
Luftige Korkeichenwälder, dazwischen grasen schwarze Stiere, in den Senken der Hügellandschaft Wasserlöcher mit Schafen und Vögeln. Dazwischen immer wieder unendliche Weitblicke bis hin zu den noch schneebedeckten Bergen.
Rechts und links der Autobahn hohe Drahtmasten nur zu dem Zweck Storchennester zu tragen und sie sind fast alle bewohnt. Im Anschluss geht es zunehmend in hügeliges Grasland über.
Ich beschließe die Autobahn in Zafra zu verlassen und über die N435 direkt nach Huelva zu fahren und damit Sevilla links liegen zu lassen. Das spart ein paar Kilometer und wie ich mir vorstelle, auch Zeit! Das war allerdings ein Irrtum!
Die gesamte Strecke ist eine kurvenreiche, landschaftlich außergewöhnlich eindrucksvolle Angelegenheit. Es geht rauf und runter, durch Eukalyptuswälder, Pinien, Zypressen, ein gelber Fluss durchzieht die Landschaft – später sehe ich ihn in rot und orange. Greifvögel ziehen ihre Kreise und andere, nie gesehene Perlhuhnartige sitzen im Gras. Ich mache einen kurzen Spaziergang mit Snoop. Das ist allerdings ein Problem – man kann die Landschaft zwar sehen, aber es ist fast unmöglich von der Strasse auf eine Wiese oder in ein Waldstück zu gehen, da alles eingezäunt und somit in Privatbesitz ist.
Kurz vor Ende der Strecke muss ich in einem kleinen Ort mit großer hypermoderne Tankstelle den Smart befüllen. Der sehr nette Tankwart kommt, sieht Snoop und verlangt geradezu, dass ich ihn aus dem Auto hole und frei laufen lasse. Auf meinen Einwand, das könne doch andere Kunden stören, winkt er ab und meint die können warten und Rücksicht nehmen. Dann ruft er seine Familie, die den „muy lindo, muy bonito“ Cocker bewundern kommen.
Kurz vor Huelva wird es endlich mal richtig warm im Auto und ich nähere mich deutlich meinem Ziel. Nochmal kurz auf die Autobahn – über eine Brücke: ich sehe zum ersten Mal das Meer!
Ich bin in Portugal angekommen! Yeah!
Eine wunderschöne, wenig anstrengende und sehr schöne, gute Fahrt!
Ab Ayamonte, dem ersten Ort hinter der Grenze, geht es zuerst auf sehr kleinen, schon afrikanisch anmutenden Strassen weiter. Das Strassenbild ist gravierend anders als in Spanien. Dort mutet es selbst in den kleinsten Orten schon sehr „deutsch“ an, hier sieht es deutlich „ärmlicher“ aus.
Einige Kilometer weiter ändert sich auch das und die ersten Bentleys kommen vom Golfplatz gerollt. Hinterm Steuer englische „Rothäute“ - die Sonne hier ist sicher nichts für hellhäutige Menschen. Das heißt für mich, lange Ärmel, Sonnenhut, Sonnenschutz und between 11 and 3 rest under a tree. Why not!
Olhao begrüßt mich mit Werbeschildern für Lidl und einer Aldi-Filiale am Ortseingang, aber das hatten mir Bekannte schon erzählt. Da muss ich ja nicht einkaufen – ich denke, ich werde mich lieber in der Markthalle eindecken oder zum Pingo doce gehen.
So, jetzt Olhao durchfahren – sieht definitiv sehr nett und portugiesisch aus und schon stehe ich auf der recht breiten Uferstrasse. Ich fahre nach rechts, sehe den – wie ich meine richtigen, kostenlosen Parkplatz – und bin da. Aussteigen, Snoop rauslassen und ich gestehe – im gleichen Moment denken „was zum Teufel hat mich geritten, dass ich jetzt hier mutterseelenallein 2416 km von zu Hause stehe“ war eins.
Doch siehe da, es klingelt das Telefon und die nette Dora (Bekannte aus dem Internet) meldet sich, fragt wo ich stecke und will sowieso kommen um mir zu helfen. Ich bin so gut beschützt und finde es einfach toll, das Menschen die ich nicht kenne, mir so offen entgegen kommen.
Es stellt sich schnell heraus, das ich am „falschen“ Ende von Olhao bin. Also zurück nach Osten – da sieht es schon ganz anders aus.
Eine kleine Tankstelle, ein freundlicher Kiosk, der Fähranleger und Motorboot-Hafen, die Markthalle und der freie Parkplatz hier sind gewachsen und eingebettet in „normales“ Leben und Infrastruktur.
Am falschen Ende war nur ein super neuer Mega-Komplex und einsame, überdimensionierte Strandpromenade – kein Wunder das ich mich da fremd gefühlt habe. Nicht meine Welt!
Dora kommt mit ihrem Mann und die beiden sind so nett, mir mit Snoop, Gepäck ausladen und erstmal ankommen, beizustehen. Mein Vermieter meldet sich und hat Probleme mit seinem Boot – zur Not muss ich alles auf die Fähre schleppen – aber so langsam überkommt mich portugiesische Gelassenheit und ich denke mir, irgendwas wird schon irgendwie gehen. Noch schnell in den nahe gelegenen Supermarkt Hundefutter kaufen, ebenfalls mit Doras Hilfe, da stellt sich heraus Vitor ist unterwegs.
Er kommt mit einem ziemlich schnittigen Motorboot und findet keinen Anlegeplatz im Hafen.
Egal wird eben in dritter Reihe „geparkt“. Das Abenteuer mein Gepäck, nicht unmöglich viel, aber doch Einiges, plus Snoop über drei schwankende Motorboote zu balancieren hätte ich wirklich gerne gefilmt – es klappt irgendwie.
Die Überfahrt ist länger, wie die Entfernung vermuten lässt. Da es hier ziemlich stark Ebbe und Flut gibt, müssen wir den Fahrrinnen folgen und das geht ein wenig im Zick-Zack Kurs.
So, das ist der Fähranleger von Farol, da ist „MEIN“ Leuchtturm – aber wo zum Teufel wollen wir anlegen?
Vitor nimmt Kurs auf den Fähranleger, der jetzt bei Ebbe ziemlich hoch aus dem Wasser schaut – ca. 1,50 senkrechte, rostige Wand, sollen also jetzt mein Gepäck, Snoop und ich hochfliegen????
Glaubt es oder nicht – ich bin da hochgekrabbelt (keine Ahnung wie), dann hat Vitor Gepäck, Einkäufe und Snoop zu mir hochgehievt und jetzt steh' ich da und der erste Eindruck ist:
STILLE!

Der lustige Rest vom Abend und mein erster Tag – folgt morgen oder so!
Das wird jetzt alles mal ein bissel portugues – entschleunigt ;-)

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